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Schulchronik

Das weitere Schicksal Espenschieds kann man aufgrund von Aufzeichnungen in einer alten Schulchronik bis auf das Jahr 1656 zurückverfolgen.
Im Jahre 1656 und 1661 - 1667 wurde ein Stephan Ripseler als Schultheiß von Espenschied bezeugt, in seinem Haus war die Schule. In einem Schreiben vom 11. August 1819 der gerzogl. Nassauischen Landesregierung an den herzogl. Schulinspektor Herrn Pfarrer Benzing zu Rüdesheim wird diesem aufgetragen, einer Schulchronik zu führen:"Das Aufzeichnen und Aufbewahren der wichtigsten Ereignisse einer jeden Schule oder die Verfertigung einer Schulchronik erscheint als belohnend und nützlich..."
Das schon im Jahre 1687 eine Schule in Espenschied vorhanden war, geht aus einem Schreiben in einer alten Agende hervor, worin folgendes wörtlich aufgezeichnet ist: "Dieße Agende gehört der Kirch zu Espenscheit Solange bis ein Ameis den Reihn außäuft Und ein Schildtkrödt die Gantze Welt umläuft. Geschehn im Jahr Nach der Freudenreichen Geburt Unßeres Seeligmachers Christo Jesu. Anno Domine 1687, Johann Rüber von Eibingen zur Zeit Ludi Meister in Espenscheit Semper Deo Gratias" Von Lehrer Wendelin Bibo wurde dann rückwirkend ab 1822 eine Schulchronik des Dorfes Espenschied Amt Rüdesheim angefangen, hieraus einige wörtliche Auszüge: "Im Jahre 1823 gingen in Espenschied 29 Knaben und 27 Mädchen zur Schule.." "Die herzogl. Nassauische Landesregierung erließ im Jahre 1843 eine Verordnung, daß israelitische Religionslehrer einzustellen sind, die in der hebräischen Sprache unterrichten sollten..." "Im Jahre 1846 herrschte in Espenschied eine große Hungersnot" "vom 16.04.1847-24.04.1847 lag in Espenschied der Schnee noch 4 Fuß (1,25m) hoch..." "Mit dem 4. November 1846 begann das Wintersemester - schreibt Lehrer Jakob Jung - Unter dem Schutze des Allmächtigen, arbeiten wir in ungestörtem Fortgange, zwar kämpfend mit feindlichen Überfällen, doch hoffend den besseren Zeiten glücklichen Friedens entgegen. Merkwürdig ist die anhaltende Teuerung dieses Jahres. Die Sorge für die Nahrung trieb auch den Faulen zu Arbeit; im Schweiße des Angesichts aß der Tagelöhner sein täglich Brod. Trotz der bedeutenden Einfuhren ausländischer Früchte kam der Preis von 4 Pfund Brod auf 24 Kreuzer. Nur durch die von der Regierung bewerkstelligten sog. Brodanstalten kam der Preis des Brodes jener Früchte um etwas herunter. Auch die übrigen Lebensmittel waren das ganze Jahr hindurch ungewöhnlich theuer und rar. Das Malter guter Kartoffeln konnte man nicht unter 5 Gulden haben..." "Wir haben bereits den 21. April 1847 begonnen, und noch hat sich der harte Mann, der Winter, nicht ausgetobt. Die Kinder waten durch den tiefen Schnee, und die Kleinen werden huckepack in die Schule getragen, und die ungünstigen Einflüsse und schädlichen Elemente steigern noch jene Noth und Theuerung an Nahrungsmitteln. Rauhe, schneidende Winde, abwechselnd mit Frost und Schnee machten bis Ende April die Mütze und Pelzkappe nothwendig. Nur die steingende Sonne, deren wärmende Stahlen nur auf Stunden die Lüfte duchdrangen und milderten, verkündete die Höhe des Jahres. Der Landmann fuhr wohl an seine Felder, denn es war Zeit, die Mutter grub im Garten, aber unterbrochen von heftigen Überfällen störender Elemente kamen sie nie zum Ziele, sosehr sie auch die einzelnen Stunden erhaschten. Die Winterfrucht wollte in die Höhe schießen, die Bäume ausschlagen und blühen, die Amsel und die Drossel saßen bereits auf ihrer Brut, da anhaltend am 16., 17. und 18. April fiel noch ein Schnee von 4 Fuß Höhe, den starke, rauhe Stürme in stockwerkhohe Rollen aufhäufte, innerhalb welchen die angefüllten Vertiefungen schweizerische Gletscher bildeten, daß unsere ganze Gegend wohl einem Sibirien nicht unähnlich war. Wer hätte da nicht ernste Gedanken gehabt! Der Kleinmütige verwünschte sich verzweiflungsvoll von der Welt, weil er sein gequältes Dasein nicht mehr zu fristen weiß. Die Vöglein suchen wieder Ängstlich ihr Futter, und die Brütenden müssen die zarte Brut dem Überraschenden Feinde überlassen und mit ihrem Leben davonziehen. Am 24. April 1847 ging der furchtbar tiefe Schnee ab, wobei die Bäche jählings stark wurden und wild tobend dahinschnellten, als wollten sie zum Abgrunde der Natur hinausrollen. Noch aber hat der Winter nicht geendet; heute (am 28. April) als ich diese Zeilen schreibe, fährt noch unaufhörlich Schneegestöber in der Luft herum, und der Wind braust mächtig. Dann strömen Regengüsse schwer herunter, und er Landmann hat abermals Rasttag und auch das gegrabene Beet will nicht abtrocknen. Die Natur steht noch stille, die Wiesen sind noch grau und gelb, und er Futtermangel ist unendlich groß, denn die Scheune und Heuremise sind leer. Der Wald ist noch kahl, und die Knaben können noch keine Pfeifen schneiden und drehen; die Vöglein trauern, auch die Frösche schweigen noch und des Kuckucks Stimme ist dumpf und heiser, die Biene harret noch in ihrer Zelle und läßt sich mit Zuckerwasser füttern. Das Vieh schreit um Futter, aber die große Scheuer Natur will nicht aufgehen. So vergrößert und verlängert sich die Noth; die Vorräte gehen zusammen, die Ernte ist noch weit und die Gegenwart ist kärglich. Kaffee wird von vielen Familien täglich dreimal getrunken, denn die wenigen Kartoffeln sind längst aufgezehrt, und auch die Gemüsefässer sind leer; der Backofen wird wenig gebraucht, das Brod wird stundenweit herbezogen, aber in kleinen Quantitäten. Herdenweise stehen die von Hunger gequälten Kinder auf der Straße und sehen hoffnungsvoll den kommenden Brodkarren entgegen und melden der Mutter diese sehnliche Ankunft, die dann eiligst ihren geborgten oder gesparten Sechsbätzner nimmt, einen Vierpfünder kauft und das Laibchen in spärlichen Portionen im hungrigen Kreise vertheilt. So währt die Theuerung fort. Die Regierung schreitet aber leider zu spät ein. Sie verbietet unter Androhung schwerer Strafe alle Brantweinproduktionen und läßt zu diesem Behufe die Branntweinhüte einziehen. Niemand darf seine Fruchtvorräte an Unterhändler oder in seinem Hofe verkaufen, sondern solche müssen auf die in jedem Amtsbezirke angelegten Märkte zum Verkauf gebracht werden. Während indessen solche Projekte auftauchen und ins Leben treten, sproßt und schießt zum Erstaunen schön und schnell die hoffnungsreiche Ernte..." Im Monat September 1885 wurden von ihrer Majestät der Kaiserin Augusta von Deutschland 100 Mark und von der Erzherzogin Maria Theresia von Österreich, welche damals in der Kur zu Bad Schwalbach weilte, 60 Mark hiesiger Kirche, durch Bemühung des Herrn Vorsitzenden Philipp Riedel II dahier geschenkt..." Im Jahre 1906 wurde in Espenschied eine Fortbildungsschule in Leben gerufen.
Eine Besonderheit war in Espenschied zu verzeichnen, vom 27. Juli bis 17. August 1920 wurde auf Anregung von Pfarrer Bill ein Schulstreik durchgeführt. Vorausgegangen war ein Beschluß der Regierung, die katholische Schule in Schönau zu schließen, weil nur noch 3 katholische Kinder diese besuchten. Daraufhin beanspruchte die Gemeinde Strüth die ehemalige Wohnung des katholischen Lehrers für den evangelischen Lehrer. Bis zum Jahre 1930 sind in der Schulchronik keine besonderen Ereignisse mehr verzeichnet. Im Zuge der Schulreform, die eine Auflösung der dörflichen ein- und zweiklassigen Dorfschulen zur Folge hatte, erfolgte die Umschulung der Espenschieder Kinder nach Nastätten.
Seit dem Schuljahr 1971 besuchen die Hauptschüler Nastätten, während die Grundschüler einige Jahre später sogar nach Miehlen gefahren wurden. Der Schulweg wird mit Bussen zurückgelegt, deren Kosten vom Land Hessen und dem Landkreis Rheingau-Taunus getragen werden. Als weiterführende Schulen bieten sich die Realschule in Nastätten und die Wiesbadener Schulen an. Durch die Anbindung des Dorfes durch öffentliche Buslinien an die große Welt kann man dieses Jahrhunderte alte Problem als gelöst bezeichnen. Es fahren regelmäßig Omnibusse nach Nastätten, Wiesbaden und seit 1986 auch wieder nach Lorch.
In dem 1930 erbauten Schulgebäude hat der Gesangverein Eintracht Espenschied einen Raum für die freitags stattfindende Gesangstunde gefunden.

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